“Mein Tipp für Kinderwunsch-Paare: Nicht zu lange warten und dran bleiben.”

 

Ich bin eigentlich mehr durch meine Klientinnen als über andere Wege auf Frau Dr. Berger aufmerksam geworden. Sie haben immer wieder vorgeschwärmt, wie persönlich, emphatisch und gleichzeitig professionell man bei ihr behandelt wird. Auffallend bei unserem ersten Besuch: Ein leeres Wartezimmer. Dies nicht etwa weil keine Patienten da sind, sondern weil man sie nicht warten lässt. Das steht hoch oben auf der Prioritätenliste. Ein top Praxismanagement, wie man es selten antrifft. Und etwas, was gerade Kinderwunsch-Paare zu schätzen wissen. Genau so gestaltet sich unser telefonisches Interview. Erika am Empfang sagt mir ‘los emol, ich leite Dich gleich weiter, denn sie hat genau 20 Minuten Zeit. Musst einfach noch schnell die andere Nummer anrufen, damit wir unsere Patientenanrufe nicht blockieren.’ 😉

 

Zur Person

Elisabeth Berger verbrachte ihr Kindheit in Günsberg, wo sie mit ihren zwei Geschwistern aufwuchs. Sie studierte an der Universität Bern Medizin und schloss das Studium 1988 ab. Danach arbeitete sie in Interlaken, sowohl auf der gynäkologischen als auch auf der chirurgischen Abteilung und war mehrere Monate für die Rega tätig. Die Jahre vor ihrer Praxiseröffnung 1999, war sie in der Frauenklinik des Universitätsspital Bern angestellt. Zuerst als Assistenzärztin, die letzten drei Jahre als Oberärztin. Gleichzeitig leitete sie das IVF–Zentrum der Frauenklinik.

Falls sie nicht arbeitet, ist sie am Joggen oder im Winter auf allen möglichen Brettern (Langlauf, Skifahren, Snowboarden, Schlitteln, Tourenskifahren). Zeit zu haben, um mit ihrer Familie etwas zu unternehmen, findet sie das Schönste.

Frau Dr. Berger, warum haben Sie sich dafür entschieden Kinderwunsch-Ärztin zu werden? Was war Ihre Motivation? Was war der Reiz?

Ich habe mich erst dazu entschieden, als ich bereits einige Zeit Gynäkologie und Geburtshilfe gemacht habe. Da wurde ich angefragt, ob ich nicht Interesse hätte, im Frauenspital einzuspringen. Das war vor 25 Jahren. Es war also alles eher Zufall als Plan. Weshalb bin ich dabei geblieben? Ich habe das Gefühl, dass ich ganz viele Paare ein Stück auf ihrem Weg begleiten kann. Und ich habe extrem Freude, wenn Frauen schwanger werden. Ich empfinde es nicht nur als fachliches, sondern auch als persönliches Engagement und bin während meiner Arbeit mit Herz und Seele involviert. Wenn es klappt, freue ich mich extrem.

Welches ist die grösste Herausforderung, mit der Kinderwunsch-Paare aus Ihrer Sicht heutzutage konfrontiert sind? Welches sind mögliche Lösungen?

Ich glaube, das Schlimmste ist, dass man heute alles haben kann, was man ganz fest will. Man kann sich alles erarbeiten und erkämpfen. Und dann hier eingestehen zu müssen, dass man begrenzten Einfluss hat und der Kinderwunsch etwas ist, was man nicht selber steuern kann, das ist schwierig für die Paare. Es ist eine Herausforderung, daran nicht zu zerbrechen. Hinzu kommt, dass alle, die selbst leicht zu ihren Kindern kamen, das Gefühl haben, dass dies das Normalste der Welt ist. Sie sehen dann auch manchmal die negativen Seiten des Elternseins und haben das Gefühl, den kinderlosen Paaren fehlt gar nicht so viel. Damit umzugehen, ist für diese Paare nicht einfach. Eine Lösung kann sein, dass sie sich öffnen, darüber sprechen und sich ein Umfeld erschaffen, dem man vertrauen kann.

Welches ist der häufigste Fehler, den Kinderwunsch-Paare aus Ihrer Sicht machen? Wie könnte man diesem entgegen wirken?

Zu lange zu warten und danach nicht dran zu bleiben. Die Paare sollten früher anfangen, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen.

Welchen Geheimtipp geben Sie Paaren mit auf den Kinderwunsch-Weg?

Bei sich zu bleiben und für sich Nischen und Freuden zu finden. Manchmal sage ich ‘Macht doch an den Wochenenden genau das, was Paare mit Kindern nicht tun können.’.

Wenn Sie mit dem Finger schnippen könnten und einen Faktor im Bereich des unerfüllten Kinderwunsches ändern könnten, was wäre es?

Da gibt es zwei Dinge: Erstens, dass die Eizellen nie alt würden. Zweitens würde ich gerne zaubern und voraussehen können. Ich würde gerne von Anfang an wissen, ob es irgendwann mal klappt oder nicht. Denn es fragen so viele meiner Patientinnen, ob ich das Gefühl habe, dass es je klappen wird. Und dazu habe ich einfach keine Antwort. Mit diesem Wissen, könnte ich den Paaren, bei denen es mal klappen wird, das Vertrauen mitgeben. Hingegen aber auch den Paaren, bei denen es nie funktionieren wird sagen, dass sie den Aufwand nicht betreiben müssen.

Auf was in Ihrem Leben sind Sie stolz?

Auf meine Tochter und auf meine Familie. Und darauf, dass es mir gelungen ist, Familie und Beruf in Harmonie leben zu können.

Was ist Ihr ganz persönlicher grösster Erfolg als Kinderwunsch-Ärztin?

Es sind alle Patientenpaare, deren Ausgangslage ganz schwierig war. Sei es medizinisch gesehen oder psychisch. Wenn ich da einen Weg finde oder wenn diese ‘auftun’ können und schwanger werden: Fantastisch! Das finde ich wahnsinnig toll und da bin ich dann auch richtig richtig stolz! (lacht)

Was war der beste Ratschlag, den Sie je bekommen haben?

Geduld und ein gewisses Grundvertrauen ins Leben zu haben.

Welches Buch hat Ihr Leben verändert und weshalb?

Ich lese extrem viel, deshalb ist die Frage gar nicht so einfach zu beantworten. Wahrscheinlich war es ‘Siddhartha’ von Hermann Hesse. Als ich es gelesen hatte, war ich noch richtig jung und dieses Buch hat damals irgendetwas in mir ausgelöst und verändert.

Zur Webseite von Dr. Elisabeth Berger:
www.berger-gyn.ch

Heute in zwei Wochen: 5 Minuten mit Anja Koller, Akupunkteurin & TCM-Therapeutin